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Im Sportflugzeug zur Matur
Der Himmelrieder Joep Neijt fliegt in einem Sportflugzeug zum Nordkap. Ein Reiseführer soll entstehen: seine Maturarbeit.
Andreas Maurer
Kurz vor dem Start am Basler EuroAirport merkt Joep Neijt, dass er etwas Wichtiges vergessen hat: seine Jacke. «Und das für einen Flug in den hohen Norden», kommentiert seine ältere Schwester Kim kopfschüttelnd. Der Vater leiht dem jungen Piloten spontan seine Jacke aus. «Es ist fast, wie wenn jemand heiratet: ein Erlebnis für die ganze Familie», stellt Vater Hans Neijt fest.
Joep Neijt fliegt von Basel zum Nordkap, um einen europäischen Fernwanderweg aus der Luft zu dokumentieren. «Die Fotos und weiteren Informationen zum Wanderweg fasse ich zu einem Wanderbüchlein der anderen Art zusammen», erklärt er. Dies soll seine Maturarbeit werden. Der 18-jährige Pilot wandert jedoch nicht gerne. «Ja, die Dokumentation des Wanderwegs kann man auch als Alibi für meinen Flug sehen», räumt er auf Nachfrage ein.
Die Expedition kostet rund 10 000 Franken. Das Geld wird von Sponsoren bezahlt. In die Sponsorensuche war die ganze Familie involviert. Mit Erfolg: Das Hemd des Maturanden ist mit Schriftzügen von regionalen und nationalen Firmen zugepflastert.
Das Projekt wurde viel aufwändiger als er sich dies ausmalte. Nicht nur bei der Sponsorensuche half die ganze Familie mit. Schwester Kim übernimmt die Pressearbeit. So kann sich Joep zu den wenigen 18-Jährigen mit eigener Pressesprecherin zählen. Seine Schwester profitiert auch davon: Ihr theorielastiges Studium der Medienwissenschaften kann sie mit Praxiserfahrung ergänzen.
Über die spektakuläre Maturarbeit des Himmelrieders berichteten zwar schon mehrere Zeitungen. Doch vom Laufner Gymnasium ist das Projekt noch nicht definitiv genehmigt. «Es sind noch Diskussionen im Gang», äussert sich Neijt vorsichtig. Die Themen werden erst Ende Oktober freigegeben.
Zuerst widmet sich der Pilot anderen Herausforderungen: «Am heikelsten wird die Region Frankfurt. Wir müssen aufpassen, dass wir im Bereich des Flugplatzes den grossen Linienflugzeugen nicht in die Quere kommen.» Die Expedition ist auf gutes Wetter angewiesen: «Wir fliegen nur bei guter Sicht.»
Die Hotels sind daher noch nicht gebucht. Für die Hinreise plant Neijt vier Flugtage. Der Maturand fliegt nicht in den Süden, weil die Bewilligungen für den Flug in den Norden einfacher einzuholen sind. «Wir werden uns bei jedem Flughafen ganz normal über Funk anmelden», erklärt er.
Nach der Matur möchte der Himmelrieder Skyguide werden. «Das Auswahlverfahren ist aber heftig. Als Alternative könnte ich mir auch ein Biologiestudium vorstellen», erzählt er. Auf die erhebliche Umweltbelastung seines Flugs angesprochen holt der 18-Jährige zu einer langen Rechtfertigung aus. Schliesslich stellt er fest: «Als Sportflieger kann man sich hier schlecht herausreden.»
Joep Neijt berichtet im Internet über seinen Flug: http://maturaflug.wordpress.com.
Quelle: Basellandschaftliche Zeitung
Letztes Update: 28.09.09, 19:57 Uhr








