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Herberge für Männer in Not
Pfarrer Andreas Cabalzar hat ein Haus für Scheidungsmänner eingerichtet. Jetzt sind die ersten drei Bewohner ins ehemalige Erlenbacher «Fischstübli» eingezogen.
Von Angela Brunner
Andreas Cabalzar schliesst sein kürzlich eröffnetes Scheidungsmännerhaus auf und geht die steile Holztreppe hoch. «In der Krise brauchen Männer einen Rückzugsort», sagt der reformierte Pfarrer von Erlenbach. Wenn die Ehekrise eskaliert, müsse meistens der Mann ausziehen. Im ehemaligen «Fischstübli» können die Männer bleiben, bis es ihnen besser gehe. Zwei Zimmer sind für einen längeren Aufenthalt eingerichtet, das dritte dient als «SOS-Zimmer». In der improvisierten Küche stehen zwei Elektroherde.
Im Sommer hat der Seelsorger vier Scheidungsmänner begleitet, die mangels Alternativen im Hotel, bei der Mutter oder bei Kollegen wohnen mussten. Den reformierten Pfarrer und Familienvater brachte dies auf die Idee, das erste Haus für Scheidungsmänner im Kanton Zürich zu schaffen. «Mir geht es darum, die Not der Männer zu enttabuisieren», sagt Cabalzar. Die Kirchgemeinde Erlenbach zeigte sich offen, Cabalzars Pionierprojekt zu finanzieren. Innerhalb von sieben Wochen hat Cabalzar mit ehemaligen Konfirmanden das «Fischstübli» an der Schiffländestrasse umgebaut.
Bereits hätten sich rund 100 Männer in Not bei ihm gemeldet, um ihre Geschichte mitzuteilen, sagt Cabalzar. Am letzten Samstag hätten ihn zwei Männer angerufen und seien noch am selben Tag in einer «Blitzaktion» eingezogen. Gestern kam ein dritter Bewohner hinzu.
Kurz nach der Eröffnung sah es allerdings so aus, als wollte keiner diesen Schritt wagen. «Scham hindert Männer daran, Hilfe zu suchen. Sie glauben, den harten Mann spielen zu müssen», erklärt Andreas Baumann, Leiter der öffentlichen Paar- und Eheberatungsstelle des Bezirks Meilen. Der Familientherapeut und -mediator betreut die Bewohner zusammen mit Cabalzar.
«Das Haus ist für Männer gedacht, denen der Boden komplett unter den Füssen weggezogen wurde», sagt Baumann. Die Männer würden meist von der Trennung überrumpelt und verlören oftmals ihre Familie sowie ihre ökonomische Sicherheit. «Zudem sind Männer schlechter vernetzt als Frauen. In der Krise stürzen sie sich oft in den Alkoholkonsum, rasten aus oder werden depressiv», erklärt Baumann. In einer Therapie könnten die Bewohner und ihre Partnerinnen lernen, mit ihren Emotionen besser umzugehen.
Fast jede zweite Ehe in der Schweiz wird geschieden. Nach rund zwei Jahren haben viele Väter den Kontakt zu den Kindern verloren. «Kinder sollen nicht im Kriegszustand aufwachsen», sagt Andreas Baumann. Ziel sei es, zwischen den Ehepartnern zu vermitteln, damit der Mann seine Vaterrolle behalten könne, erklärt Andreas Cabalzar. Auch im Scheidungsmännerhaus sollen die Kinder ihren Vater besuchen können. Übernachten können sie in zwei Kinderzimmern mit Herzchen an den Wänden und einem Stofftierzoo.
Im Fokus des Projekts sind Kinder von Scheidungsmännern, wie Cabalzar betont. Aus Kindern ohne Vaterbezug würden oft schwierige Jugendliche. In den vergangenen Jahren hat der Pfarrer bereits mehrere Jugendprojekte wie das betreute Wohnen im Wydenhof aufgebaut. Mit seinem jüngsten Projekt will er verstärkt in der Prävention ansetzen. Der Zeitpunkt dafür ist gut gewählt. Cabalzar sagt: «Der Weihnachtsstress führt in vielen Beziehungen zu Konflikten.»
Quelle: Sonntag
Letztes Update: 26.12.09, 18:19 Uhr








