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Am kommenden Wochenende lädt der Singkreis Wasseramt zu einer Konzertversion der Gerswhin-Oper Porgy and Bess, zu Spirituals und einer Orchester-Suite aus der «West Side Story» ein. Markus Oberholzer leitet das thematisch abgerundete Konzert und feiert damit 20 Jahre Dirigententätigkeit beim Chor.
Gundi Klemm
Schon als Bezirksschüler in Hubersdorf begeisterte sich Markus Oberholzer für «schwarze» Musik. Kurzerhand gründete er mit Mitschülern vor rund 40 Jahren einen Gospelchor, der durch die eigenhändig gespielte Gitarre und das Schlagzeug eines Klassenkameraden begleitet wurde. Obwohl er später als Seminarist und Musikstudent viele Musikstile kennen lernte, behielt er diese Liebe bei. Während seiner zehnjährigen Dirigentenzeit beim Kirchenchor Hubersdorf-Flumenthal traten barocke und klassische Werke in den Vordergrund, zumal er in Basel seine Diplome am Opernstudio für Operngesang und an der Musikakademie für Konzerttätigkeit erwarb. Seither hat sich Oberholzer als Solist in der Schweiz und in Deutschland einen bekannten Namen geschaffen. Hiesige Musikfreunde kennen den Bariton etwa als hinreissenden «Papageno», aber auch von bewegenden kirchenmusikalischen Auftritten her. Oberholzer begleitete lange Jahre als Stimmbildner die Singknaben der St.-Ursen-Kathedrale und arbeitet heute als Solist und als Dozent in der Ausbildung des Musik-Nachwuchses.
Premiere für Porgy and Bess
George Gershwin (1898-1937) schuf 1935 die Oper Porgy and Bess, um der Musik des «schwarzen Amerika» nicht nur als Kirchen-Spiritual oder als Unterhaltungsmelodie Geltung zu verschaffen. Für dieses Bühnenwerk komponierte er unvergessliche musikalische Motive, die ihren Siegeszug rund um die Welt antraten. Die Aufführung durch den Singkreis Wasseramt findet in konzertanter Form erstmalig in der Schweiz statt. Als Solisten konnten die beiden international renommierten Künstler Richetta Manager (Sopran) und Derrick Lawrence (Bariton) gewonnen werden. Beide verfügen über einen beeindruckenden Leistungsausweis und haben ausgezeichnete Kritiken für Auftritte als Bess und Porgy geerntet. Durch ihre Mitwirkung erhält die Aufführung das typische und gewollte Fluid amerikanischer Südstaaten-Musik. Der Konzertführer verschweigt nicht, dass die im Lauf der Jahre selbstbewusster auftretenden Bürgerrechtsbewegungen der USA mit dem zum Teil klischeehaften Inhalt der Oper immer weniger einverstanden waren. Als Extrakt der zurückliegenden und viel bewunderten Konzerte von «A Child Of Our Time» von Michael Tippett erklingen fünf Spirituals aus diesem Werk. Fast als thematische Einführung spielt die Philharmonie Baden-Baden die Orchester-Suite aus «West Side Story» von Leonard Bernstein. (gku)
Selbstbewusster Chor
Vor mehr als 20 Jahren wandte sich der Singkreis Wasseramt an Oberholzer. Der seinerzeit noch lebende reformierte Kriegstetter Pfarrer Bruno Stuber habe Überzeugungsarbeit geleistet, «dass der Chor und ich ein gutes Gespann wür-den», erinnert sich Oberholzer. Um ein Haar wäre die Beziehung dann doch nicht zustande gekommen, weil selbstbewusste Chorleute seinen ersten Werk-vorschlag für ein Konzert rundweg ablehnten. Schliesslich fand man sich doch, und damit begann die äusserst erfolgreiche Zusammenarbeit. In zwei Jahrzehnten wuchs der Chor von 20 auf 90 Mitglieder, und es gab jährlich beeindruckende Auftritte. Der Singkreis Wasseramt schuf sich einen Ruf in der Erarbeitung spezieller, und wie Oberholzer anfügt, «keinesfalls konservativer Werke». Gezielter Aufbau lohne sich eben immer, kennzeichnet er das Zusammenwirken mit dem Chor, der sich durch eine gute zwischenmenschliche Atmosphäre auszeichne. Obwohl in den letzten Jahren viele jugendliche Mitglieder dazukamen, sind auch noch etliche Sängerinnen und Sänger aus den Anfangsjahren dem Chor treu geblieben. Vor 11 Jahren hatte sich die Gesangsgemeinschaft als Verein konstituiert, der derzeit von Susanna Christen präsidiert wird. Inzwischen hat nämlich der Organisationsaufwand deutlich zugenommen, weil die Wasserämter seither mit 1000 Proben, 50 Konzerten im In- und Ausland, Radio- und CD-Aufnahmen sowie Konzertauftritten beispielsweise im KKL in Luzern stark gefordert sind. Wegen des grossen Erfolgs wird der KKL-Anlass am 13. März 2010 wiederholt und 2011 mit einer Tournee durch bekannte Schweizer Konzertsäle als Teil des Classic Festival Chores fortgesetzt.
Perfekter Klangkörper
Am Freitag reist die Philharmonie Baden-Baden, die über eine jahrhunderte- lange Tradition verfügt, mit 50 Ensemble-Mitgliedern in die Schweiz, um dem Programm am späten Nachmittag und Abend den letzten Schliff zu verleihen. Die Sorge, dass sich dabei noch grosse Schwierigkeiten ergeben, kennt Oberholzer nicht. Im Gegenteil. «Ich geniesse besonders die Hauptprobe - noch ohne Anwesenheit des Publikums - eben weil die Instrumentalisten und der Singkreis sich konzentriert vorbereitet haben», weiss er aus langer Erfahrung. Lampenfieber, wie es viele Künstler immer wieder durchleiden, kenne er nicht. Aber Erwartungsdruck und Respekt vor der Zuhörerschaft mobilisierten bei ihm durchaus zusätzliche Kräfte. Dass Singen glücklich und vielleicht sogar gesünder macht, will der junge Wissenschafter Samuel Erb nachweisen. Um die positiven Einflüsse des Singens aufs Immunsystem zu erforschen, haben sich Singkreis-Mitglieder mehrfach Blut abnehmen lassen (wir berichteten).
Aufführungen in der katholischen Kirche Kriegstetten: Samstag, 12.9., 20 Uhr, und Sonntag 13.9., 17 Uhr.
Quelle: Solothurner Zeitung
Letztes Update: 07.09.09, 20:02 Uhr








