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Die E-Books mischen den Buchhandel auf
Günstigere Endgeräte und mehr Auswahl beim Lesestoff: Elektronische Bücher werden zum Massengeschäft. Der klassische Buchhandel bangt um seine Kundschaft.
Sven Millischer
Dani Landolf vom Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband (SBBV) spricht Klartext: «Im Buchhandel wird es zu dramatischen Umwälzungen kommen.» Schätzungen gehen davon aus, dass bis in fünf Jahren E-Books gut einen Viertel zum Gesamtumsatz beisteuern werden. Vor allem kleinere und mittlere Buchhandlungen gerieten längerfristig unter Druck, befürchtet Landolf.
Zum einen fehlt ihnen die kritische Grösse, um beim Verkauf übers Internet als eigenständige Marken wahrgenommen zu werden. Zum anderen hat die Erfahrung in den USA gezeigt, dass sich das Geschäft mit dem elektronischen Buch bisher auf wenige Bestseller beschränkt.
Amazon wirbt mit Dumpingpreisen
Bereits im klassischen Buchhandel herrscht in diesem Marktsegment ein harter Verdrängungskampf, der sich bei den E-Books noch weiter verschärfen wird. Insbesondere Platzhirsch Amazon dreht an der Preisschraube: Beim Internet-Marktführer kostet beispielsweise Dan Browns Hit-Thriller «The Lost Symbol» als E-Book auf Englisch rund zwei Drittel weniger als die gebundene Fassung, während deutsche Verlagshäuser bei elektronischen Büchern bislang auf die Preise der regulären Druckausgabe pochen.
Dani Landolf betont denn auch, elektronische Bücher dürften nicht zur «Ramschware» verkommen: «Die Entwicklung in der Musikindustrie ist uns eine Warnung.» Dort schickte die digitale Distribution die CD-Preise dauerhaft in den Keller und bescherte den Plattenfirmen Milliardenverluste.
Um dem Margendruck zu entgehen, bleibt für kleinere Anbieter deshalb wohl nur die Flucht in die Nische: «Die Buchhandlung muss zur Kulturtankstelle werden», beschwört Landolf die Überlebensstrategie. Die Losung heisst: Mehr Lesungen und Veranstaltungen, mehr Beratung und ein Angebot, das nicht nur in die Breite, sondern vor allem in die Tiefe geht.
Buchhandel wächst primär im Netz
Während die Kleinen bangen müssen, wittern die grossen Ketten das Geschäft. Sie verfügen über etablierte Verkaufsplattformen im Internet, die den E-Book-Vertrieb abwickeln. Zwar wurden hierzulande erst ein paar tausend elektronische Bücher verkauft, doch Roger Huber von Exlibris, dem grössten Schweizer Medienanbieter, sieht ein «riesiges Potenzial»: Der Buchhandel wachse ja jetzt schon primär online.
Auch Konkurrent Orell Füssli verkauft bereits seit zwei Jahren E-Books und sieht darin einen Zukunftsmarkt: Das digitale Musikformat MP3 habe auch sechs Jahre gebraucht, um sich durchzusetzen, heisst es bei der Zürcher Buchhandlungsgruppe.
Derweil wächst das Sortiment stetig an: Exlibris führt rund 30 000 E-Books. Und auch Orell Füssli kommt bereits auf 8000 elektronische Titel. In der Mehrheit Sachbücher und wissenschaftliche Werke. Die Belletristik als Massensparte ist noch immer untervertreten, gerade auch jene aus dem deutschsprachigen Raum.
Schweizer Verlage zögern noch
Auf die diesjährige Frankfurter Buchmesse hat mit Georg von Holtzbrinck (u. a. S. Fischer, Rowohlt) nun erstmals eine grosse deutsche Verlagsgruppe 800 ihrer Bücher digital bereitgestellt. Bis Ende Jahr sollen rund 1500 Titel verfügbar sein.
Die Schweizer Verlage zögern indes noch: Man sei intensiv mit der Umsetzung beschäftigt, heisst es beim Diogenes-Verlag. Und der Unionsverlag ist zwar technisch parat, doch seien gewisse Urheberrechtsfragen noch nicht abschliessend geklärt. Einzig Kain & Aber bietet seit diesem Sommer E-Books an, doch mit zwei verfügbaren Werken ist die Auswahl bescheiden. Vor allem die kostenlosen Leseproben liefen gut, heisst es beim Zürcher Verlag.
Der eigentliche Hemmschuh war bislang die Hardware: 300 bis 400 Franken kosten die aktuellen Lesegeräte. Zu viel fürs Massengeschäft, sagt Roger Huber: «In den nächsten Monaten kommen die Preise ins Rutschen.» Bereits seien Geräte für 200 Franken angekündigt. Damit dürften nicht nur technikaffine Erstkäufer zur Hardware greifen, sondern vermehrt auch Viel- und Ferienleser, die Gewicht sparen möchten.
Quelle: Aargauer Zeitung
Letztes Update: 30.10.09, 09:37 Uhr








