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Bauern krampfen für den Nationalfeiertag

Familie Mathys ist eine von 17 Aargauer Bauernfamilien, die morgen zum Brunch auf den Hof laden Villnachern

Morgen gehen viele zum
Brunchen auf den Bauernhof.
Bei Familie Mathys auf dem Schryberhof in Villnachern geht es Stunden davor hoch zu und her. Ein Augenschein vor Ort.

katja schlegel

Agathe Mathys wuchtet ein armlanges Schweinsnierstück auf den Grill. Es zischt und räuchelt und riecht wunderbar. Hofhund Jaro trabt heran, schnaubt. Eine kurze Verschnaufpause für Agathe Mathys. Vier Minuten, dann müssen die Nierstücke wieder in den Ofen, bei 50 Grad.

513 Gäste haben sich für Sonntag angemeldet, rund 600 werden erwartet. Es ist Freitagnachmittag, Agathe Mathys steht seit bald 12 Stunden in der Küche. 60 Kilo Brot- und 60 Kilo Zopfteig muss sie kneten, 10 Torten und Kuchen backen, 120 Vanillecornets rollen und füllen, dazu kommen noch 24 Wähen: Kirsche, Zwetsche, Aprikose, Apfel und Rhabarber.

Ein kleines Schlaraffenland

Familie Mathys macht alles selber. Eine Woche lang krampfen sie schon, zu viert: aufräumen, ausräumen, putzen, schleppen, mähen, kneten, backen, kochen. Kurt Mathys fährt gerade eine Ladung frisches Gemüse über den Hof. Gemüse für den Wochenmarkt, das Tagesgeschäft darf trotz Vorbereitungen auf den Nationalfeiertag nicht liegen bleiben.

Mathys lacht, der Brunch habe schon auch gute Seiten, sagt er. «Danach sieht der Hof tipptop aus. Einmal im Jahr kommen wir um das Aufräumen nicht herum.» Schade sei nur, dass nicht mehr Aargauer Bauern einen solchen Brunch veranstalten. «Es ist doch eine gute Gelegenheit für alle Bauern, die Leute mal auf den Hof einzuladen.»

Ein neun Meter langes Buffet wird morgen auf dem Schryberhof errichtet. Ein stabiles muss es sein, es hat mächtig zu tragen: 24 Sorten Konfitüre hat Agathe Mathys vorbereitet, 550 Spiegeleier, 210 harte Eier, 15 Kilogramm Schinken, 9 Kilogramm Braten, 12 Kilogramm Speck, 7 Kilogramm Fleischkäse, 130 Kilogramm Rösti – dies sind nur ein paar der unglaublichen Zahlen. 66 Helfer braucht es, um das Essen an die Gäste zu bringen. Dazu werden 120 Liter Süssmost ausgeschenkt, ähnlich viel Wasser und krugweise Kaffee. Die Mengen hat Agathe Mathys gut im Griff, 15 Jahre Erfahrung zahlen sich aus. Und trotzdem: «Ich habe danach immer etwas übrig», sagt sie. Besser zu viel als zu wenig.

Feriengast Nora Meier aus Hausen steht am Küchentisch und wirft kleine Teigbollen auf die Waage. 250 Gramm sollen es sein. Agathe Mathys wallt die Bollen aus, legt den Teig aufs Wähenblech, deckt es zu. Morgen früh um 4 Uhr werde sie die Wähen backen, sagt sie, «schön frisch».

Agathe Mathys sieht energisch aus, motiviert. «Man kommt aber schon ans Limit», sagt sie. Während des Brunchs, da darf die Familie Mathys geniessen, verschnaufen. Die Helfer halten ihnen den Rücken frei, dann soll Zeit sein, um mit den Gästen zu plaudern. Aber nach dem Brunch, da fängt die Arbeit wieder an. Dann kommt das Aufräumen.

Quelle: Aargauer Zeitung

Letztes Update: 31.07.10, 00:41 Uhr