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«Wir müssen uns auch unbeliebt machen und nicht nur streicheln»

Benedikt Pöschel, Vizepräsident der FDP Knonauer Amt (r.), überreicht Referent Filippo Leutenegger eine Krawatte der Standortförderung. (Bild: Werner Schneiter) Quelle: ABA
Benedikt Pöschel, Vizepräsident der FDP Knonauer Amt (r.), überreicht Referent Filippo Leutenegger eine Krawatte der Standortförderung. (Bild: Werner Schneiter) Quelle: ABA

Zu lieb, zu wenig pointiert und oft missverstanden: Die FDP müsse ihre Positionen in den Medien stärker artikulieren und auch in Kauf nehmen, kritisiert zu werden, sagte Nationalrat Filippo Leutenegger anlässlich eines Neujahrsapéros der FDP Knonauer Amt in Affoltern.

Wenn einer die Medien «von innen» kennt, dann er: Filippo Leutenegger, einst «Dompteur» in der «Arena» von SF DRS, später CEO des Jean-Frey-Verlags, jetzt Publizist und Verleger von «Neue Ideen», einer Zeitschrift für Hauseigentümer.

Beim Neujahrsapéro der FDP des Bezirks Affoltern am Mittwoch im Affoltemer Kulturkeller LaMarotte ging Leutenegger der Frage nach, weshalb die FDP vergleichsweise schlecht wegkommt in den Medien, dort auch viel weniger präsent ist als etwa die SVP, «die eine grosse Röhre schwingt». Die FDP arbeite und sei anständig, das bekomme er immer wieder zu hören - nicht zu Unrecht. Tatsächlich entstehe bei den Freisinnigen das Gefühl, mit sieben Bundesräten vertreten zu sein und die ganze Verantwortung tragen zu müssen. Die FDP habe schweizweit in der Tat sehr viele Exekutivmitglieder und auch immer wieder Angst, kritisiert zu werden. Liberalismus, wie ihn die FDP verstehe, bedeute im Grunde genommen Verzicht, Askese, Eigenverantwortung und Verantwortung tragen.

Dazu sei es aber nötig, im alltäglichen Geschäft Kritik in Kauf zu nehmen und damit zu leben, nicht immer gelobt zu werden. «Kritik ist ja auch eine Art von Zuwendung und bietet die Chance, sich klar zu positionieren. Wir müssen uns auch unbeliebt machen und nicht nur streicheln», sagte Filippo Leutenegger. In gewissen Fragen trete die FDP-Bundeshausfraktion heute kompakter auf als auch schon, zum Beispiel bei einem Nein zur CO2-Abgabe oder beim Konjunkturpaket, das nicht nachhaltig sei. FDP-Positionen müssen laut Leutenegger in den Medien besser «rüberkommen» - mit klarer herausgestrichenen Positionen. Es sei aber auch nötig, bei bestimmten Dingen klar Nein zu sagen, zum Beispiel zu zentralistischen Tendenzen des Bundes. «Wir dürfen keine Angst haben vor den Medien. Wenn wir wegen unserer Haltung und unserer Strategie kritisiert werden, dann kann das auch eine Ehre sein», so der Medienfachmann, für den der Bundesrat durchaus eine andere Meinung haben darf als die Parteien.

Gegen den Mainstream

Filippo Leutenegger zeigte auch auf, wie Leitmedien funktionieren und Organisationen «auf den Leim kriechen». Er nannte das Beispiel der geschickt zur Weihnachtszeit durchgeführten Pressekonferenz von Caritas zur Armut in der Schweiz. Laut Caritas sind 900 000 Menschen in der Schweiz von Armut betroffen. Die Leitmedien in der Schweiz haben das dann laut Leutenegger gross aufgemacht und die Zahlen der Studie 1:1 übernommen - und das zur Weihnachtszeit besonders emotionale Thema für eine Woche gesetzt. «Andere Medien sind einfach mitgelaufen. Gewöhnlich folgen solchen Themen eine ‹Arena›, ein ‹Club› von SF DRS und andere Talkrunden», sagte Leutenegger und fügte bei, dass von Caritas aufgebaute Gegensätze halt faszinieren. «So viele Arme und so viele Reiche in der Schweiz». Daraus folgen dann unzählige Vorstösse im Parlament mit der Kernbotschaft «der Staat soll zahlen».

Man lasse das Thema widerspruchslos laufen, schwimme mit dem Mainstream statt einen Gegenstandpunkt einzunehmen - zum Beispiel mit eigenen Zahlen und der Feststellung, dass Armut vor 300 Jahren ganz anders gewesen sei als die Armut von heute. «Faktentreue Gegenpositionen zu erarbeiten sei halt sehr aufwendig. «Wir müssen hier selber mehr recherchieren», so Leuteneggers Befund. Damit meinte er auch Economiesuisse Gewerbeverband mitsamt der bürgerlichen Parteien insgesamt und forderte eine Offensive in den Medien, auch gegen staatliche Bevormundung und gegen «semantische Verdrehungen» (Beispiel: «Abzocker sind die, die Steuern zahlen, nicht die, die Geld beziehen» oder Gewerkschaftsjargon «Rentenklau» ).

«Semantische Verdrehungen, die von Journalisten unwidersprochen an die Öffentlichkeit transportiert werden. Wir müssen hier mehr Gegensteuer geben, Zusammenhänge aufzeigen», sagte Filippo Leutenegger. Tatsache sei, dass die Leitmedien in rot-grün regierten Städten zuhause sind, in urbanen Szenen. Ticke dort ein Journalist unter seinesgleichen anders, so sei er in der Branche «ein übler Rechter».

 

 

Quelle: Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Letztes Update: 07.01.10, 14:09 Uhr

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