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Windenergie Eine Pionieranlage ist auf dem Heitersberg geplant. Quelle: AZ
Windenergie Eine Pionieranlage ist auf dem Heitersberg geplant. Quelle: AZ

Die Grünen Aargau haben sie lanciert, in genau einem Monat stimmt das Volk über «eine Energiepolitik mit Weitsicht» ab. Verlangt wird eine Verdoppelung der erneuerbaren Energien Holz, Biogas, Sonne, Wind und Geothermie bis 2020. Das heisst von 4,3 auf 8,6 Prozent.

Hans Lüthi

Seit Einreichung der Initiative findet in der Energieszene eine unglaubliche Dynamik statt. Die erneuerbaren Energien sind zum Modewort geworden, eine vermehrte Anwendung von Holz, Biogas, Sonne, Wind und Geothermie kumuliert mit den konjunkturpolitischen Massnahmen von Bund und Kantonen zu einem starken Schub. Bei der Lancierung - von den Grünen Aargau symbolträchtig auf den Tag der Wintersonnenwende Ende 2006 gelegt - war das nicht absehbar. Doch heute sind die Initianten guten Mutes, für ihre Energiepolitik mit Weitsicht am 17. Mai eine breite Zustimmung zu erreichen. Das machte der Start zur Kampagne im Naturama Aargau deutlich.

Verdoppelung bis spätestens 2020

Auf den ersten Blick mag ein Plus von 4,3 Prozent als wenig erscheinen, aber der Schein trügt: Es geht um gigantische Mengen am gesamten Energieverbrauch. Hier dominieren Erdöl, Treibstoffe und Gas mit einem Anteil von 67,7 Prozent. «Mit 8,6 Prozent sind wir auf Augenhöhe mit den Kernkraftwerken und ihrem Anteil von 9,3 Prozent», rechnet Solarplaner Reto Miloni, Hausen, vor.

Aber es sei kein Ziel, die AKW ersetzen zu wollen. Denn die Initiative hat andere, wichtigere Ziele: Sie will den nötigen Schub geben in eine zukunftsfähige Richtung, sie will die Technologien der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien fördern. «Das wirkt positiv für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt», sagt Kampagnenleiter Urs Müller.

10 Prozent Strom aus Photovoltaik

Vier Referenten zeigten eindrücklich, wie das Potenzial von Geothermie, Holz, Photovoltaik und teilweise auch Wind fast unerschöpflich vorhanden ist. Allerdings zeigte Thomas Nordmann, vorgestellt als Solarpionier der ersten Stunde, dass es nur einen Königsweg gibt: «Zuerst muss immer das Gebäude saniert werden, nach dem Motto ‹Wärmedämmung statt Pinselstrich›», so Nordmann. Weil sich damit 50 bis 80 Prozent der Energie einsparen lassen, sei es sinnvoll, erst später eine neue, wesentlich kleinere Heizung einzubauen.

Die Schwierigkeit dabei liegt in der hohen Summe, die im Voraus für 25 Jahre finanziert werden muss. Das Potenzial für Photovoltaik in der Schweiz beziffert Nordmann auf 10 Prozent des Stromverbrauchs, wenn pro Person 6,4 Quadratmeter Kollektorfläche installiert würden.

Genügend Wärme im Erdinnern

Bis zu 75 Prozent der nötigen Wärme könnte die Erde selber liefern. «Dank einem Atomgenerator ist sie im Innern immer 7000 Grad heiss, abgekühlt ist nur die kontinentale Kruste», betont Mark Eberhard von der Erdwärme-Förderstelle des Bundesamts für Energie (BFE). Mit Sonden könne man die Wärme fast beliebig anzapfen, denn mit der Tiefe steigen die Temperaturen. Wegen möglicher Erdbeben müsste man grössere Kraftwerke aber in dünn besiedelten Gebieten bauen - statt in Basel. Grosse Gebiete des Aargaus seien für die Geothermie-Nutzung gut geeignet. Die Wärme ist zu drei Vierteln gratis, der Rest ist für Pumpenstrom und Infrastruktur aufzuwenden.

Strom und Wärme aus Holz

Für eine bessere Verwertung des einzigen einheimischen Rohstoffes Holz plädierte Urs Löpfe, der als Präsident der Enercontract AG seit langem auf diesem Gebiet tätig ist. Immer wieder fordert er bessere Rahmenbedingungen und beklagt sich darüber, von den Energiekonzernen ausgebremst zu werden. In Wirklichkeit seien nur die privaten Unternehmen in der Lage, «innovative, praktikable und zukunftsweisende Lösungen für die dringendsten Probleme zu finden», glaubt Löpfe. Völlig falsch findet er auch die Belastung der Arbeit statt der Energie. «Denn damit vernichten wir Arbeitsplätze», kritisiert Urs Löpfe das System.

Windenergie im Gegenwind

Die Windenergie führt im Aargau ein Mauerblümchendasein, «der Kanton ist nicht vorbereitet und nimmt uns nicht ernst», klagt Therese Meier-Wettstein von der «IG Wind plus Heitersberg». Gemäss einer Windkarte gebe es im Kanton auf total 75 Kilometer Hügelzügen genügend Wind. Bei einer vorsichtigen Schätzung komme man auf 50 Standorte, die je für 1000 Haushalte Strom erzeugen könnten. «Damit liessen sich immerhin 50 000 Haushaltungen mit Windstrom versorgen», versichert Meier. Die Präsidentin der örtlichen SVP kämpft für das Pionierprojekt Heitersberg: 600 Meter ab Wohnzone Sennhof ob Remetschwil soll eine 2-Megawatt-Anlage mit 100 Meter Nabenhöhe entstehen - finanziert durch Bürger aus der nahen Umgebung.

Quelle: Aargauer Zeitung

Letztes Update: 17.04.09, 20:27 Uhr

1 Kommentare zum Thema:
cmer
22.06.09 16:26 Uhr
Nicht umsonst führt die Windenergie im gesamten Mittelland der Schweiz ein "Mauerblümchendasein". Es gibt genügend "schönere" Bräute für energiehungrige Freier. Die mit Abstand schönste heisst "Matthilda SPAREN". Weitere zauberhafte Wesen heissen "Erika Sonnenwärme" und "Isolatia Gebäude". Unsere Vorfahren waren ja nicht dumm und haben statt Windmühlen wie in Holland, Wassermühlen benutzt, um ihr Korn zu mahlen. Windenergie hat hundert Nachteile. Wer zeigt mir einen Vorteil? Geld ohne Geist?
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