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«Es gibt diese Angst»

Regula Stämpfli Quelle: AZ
Regula Stämpfli Quelle: AZ

Feministinnen sollen sich nicht in den Abstimmungskampf um die Anti-Minarett-Initiative einschalten, rät die Politologin Regula Stämpfli.

Beat Rechsteiner

Frau Stämpfli, wie erklären Sie es sich, dass mehr Frauen als Männer mit der Initiative sympathisieren?
Regula Stämpfli: Die Religionsdiskussion löst bei vielen Frauen ein Unbehagen aus. Die Auseinandersetzung mit religiös-fundamentalistischen Kräften ist schwierig. Das merke ich beispielsweise, wenn ich mich mit Lehrerinnen unterhalte, die muslimische Schüler in ihren Klassen haben.

Fürchten sich die Frauen vor einer Islamisierung der Schweiz?
Stämpfli: Teilweise gibt es diese Angst, besonders in unteren und mittleren Bevölkerungsschichten ist das absolut ein Thema. Denn die Frauen sind in diesen Schichten in der Mehrheit und somit auch am stärksten direkt von der Migration betroffen.

Abgestimmt wird aber nicht über die Rolle der Frau.
Stämpfli: Natürlich nicht. Doch schon die Plakate sind auf eine Grundsatzdiskussion angelegt, die über den Bau von Minaretten hinausgeht. Die SVP zählt darauf, dass sie die Angst vor einem Abbau der Frauenrechte mit der Angst vor einem wachsenden islamischen Einfluss verbinden kann.

Ausgerechnet die SVP kümmert sich jetzt um Frauenfragen?
Stämpfli: Ja, das ist absurd, denn die SVP ist und war nie eine Gleichstellungspartei. Die Rechten sprechen nur deshalb die Frauenfrage an, weil es ihnen in ihrem Kampf gegen das Fremde gerade gelegen kommt. Die Linke allerdings kümmert sich kaum noch um Gleichstellungsfragen, das ist ihr Versäumnis. Die existierenden Frauenvereine jedenfalls haben sich der Diskussion bisher nicht angenommen, was die Integration von Muslimen für die Schweizer Frauen bedeutet.

Und davon profitiert die SVP?
Stämpfli: Generell stimmen Frauen progressiver und offener ab als Männer. Doch es gibt Sachfragen, bei denen das anders ist. Die Minarett-Initiative mag zu einem Beispiel dafür werden, ein anderes ist die Frage, ob Sexualstraftäter auf Lebenszeit verwahrt werden sollen.

Sollten sich die Feministinnen nun am Abstimmungskampf beteiligen?
Stämpfli: Das Risiko besteht, dass dabei sehr viel Geschirr zerschlagen würde. Denn plötzlich wird aus der Diskussion um Minarette eine Islam-Debatte. Nehmen wir das Beispiel von Alice Schwarzer. Sie hat sich kritisch zum Islam geäussert und wurde hernach als Rassistin verunglimpft. Die Taktik der Frauenbewegung in Europa war bisher, sich aus der Religionsfrage herauszuhalten. Das ist wohl auch bei dieser Abstimmung die richtige Strategie.

Warum macht diese Frage den Frauen so sehr zu schaffen?
Stämpfli: Die Frauen sind eingeklemmt zwischen der «realistischen» Hormontheologie der Liberalen und den religiös-fundamentalistischen Kräften. Selbstbestimmte, freie und meinungsstarke Frauen sind in solchen Situationen sehr selten zu hören.

 

Quelle: Aargauer Zeitung

Letztes Update: 09.10.09, 07:37 Uhr

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60 Kommentare zum Thema:
Anonymer User: Minarett Initiative willkommene Ablenkung innterkirchlichen Problemen ?
07.03.10 12:07 Uhr
muss jetzt hinhalten, sind es nicht ganz andere Schandtaten die endlich ans Licht drängen - Jahrzehntlanger Missbrauch an Kindern durch Priester die durch Zwang zum Zölibat verknackt werden, Die Zeit ist reif, dass auch hinter die dicken Mauern des Vatikans das heilige Licht der Welt dringt. altrömische Dekandenz - Frauenausgrenzung - Kindermissbrauch und dann noch Verjährungsklausel mit eigenem Rechtsstaat?. Licht frisst die Dunkelheit auf, es ist höchste Zeit, dass es endlich Licht werde
cmer
26.11.09 12:05 Uhr
Chrrrr ... Piiieps! Mr. Spok, Mr. Spok! Checken sie mal die Zeitmaschine durch! Ich glaube, wir sind gerade im Mittelalter gelandet!

http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter
Anonymer User: ich
22.11.09 11:58 Uhr
Die SVP hat es wieder mal geschafft mit Ihrer grenzwertigen propaganda alle auf alarm zu bringen. Wann begreifen die SVP'ler das so politisch nichts mehr zu erreichen ist. Nun sind dank den "schönen" plakaten auch international alle gespannt auf das Wahlresultat. Ein Thema was innen Politisch geregelt werden sollte wird nun zum aussenpolitischen supergau sollte diese initiative angenommen werden. Super gemacht SVP!
Snuge
19.11.09 08:46 Uhr
Halleluja! Diese Artikel gibt viel Hoffnung! - An der Urne ist es bis dato jedesmal anders als es in den "Umfragen" von SRG SSR idee Suisse "herauskommt". Also, liebe Miteidgenossen, es wird vermutlich gut kommen.
Anonymer User: Mervin
18.11.09 18:59 Uhr
Es geht darum ein Zeichen zu setzen, denn genug ist genug, die Arroganz des Islams ist nicht mehr tragbar.
Snuge
17.11.09 12:09 Uhr
Herr Merz, jetzt haben sich mich aber enttäuscht. Warum liest keiner den Text der Initiative? Er steht im Abstimmungsbüchlein. Es ist nur ein Satz! Ich meine nicht,die "Erläuterungen", sondern nur den Initiativ-Text. Diesen einen Satz kann jeder lesen. Die "Erläuterungen" muss man sich übersetzen lassen ins Deutsche (die Gegener kommen mit schönstem Beamten-Deutsch daher, dass ein Normalbürger nicht verstehen kann). Initiativ-Text = rosa Seite, Erläuterungen = weisse Seiten.
Thomi
09.11.09 12:11 Uhr
Snuge und Max Meier, es braucht keinen Tag der offenen Tür. Wie die Moslems immer sagen, kann man jederzeit die Moschee besuchen. Aber die ist bald nicht mehr notwendig, wenn die Gebetsrufen von den Türmen hallen.
Snuge
09.11.09 08:24 Uhr
Ja, Max Meier, ich hätte gerne den Tag der offenen Moschee besucht. Leider habe ich es erst am Samstag abend erfahren (habe keine Tageszeitung und auf az-news.ch war nichts zu lesen). Schade!
Anonymer User: Kasimir
08.11.09 17:04 Uhr
@Meier: Ich habe mt Moslems zusammengearbeitet und kenne ihre Ansichten.Das ist mir klar das sie sich jetzt von der besten Seite zeigen müssen.
Ich bin mit ihnen einverstanden wenn uns die Molems die gleichen Rechte einräumen in ihren Staaten.Lassen wir uns also nicht blenden.
Anonymer User: Max Meier
08.11.09 11:44 Uhr
Kasimir, Snuge usw.:
Ihr seid wirklich zu bedauern. Weshalb habt ihr denn nicht den Tag der offenen Tür besucht, vielleicht wären eure Vorurteile ja erschüttert worden... Der Tag der offenen Tür findet findet zum fünften Mal statt, also nicht wegen der Abstimmung.
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