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«Die SVP-Befragung ist untauglich»

Autor Dr. Georg Lutz praesentiert die Selects Wahlstudie zu den Wahlen 2007. © Valeriano Di Domenico/EQ Images
Autor Dr. Georg Lutz praesentiert die Selects Wahlstudie zu den Wahlen 2007. © Valeriano Di Domenico/EQ Images

Die SVP wolle gar nicht den Puls der Bevölkerung fühlen, sagt Georg Lutz. Es gehe der Partei im Gegenteil darum, ihre eigene Meinung in Ausländerfragen zu verkünden.

Beat Rechsteiner

Herr Lutz, die SVP geht mit einer Volksbefragung auf Stimmenfang (Ausgabe von gestern) – ein Marketing-Geniestreich oder eine Lachnummer?

Georg Lutz: Aus Sicht der politischen Kampagne ist das sicher ein effizientes Instrument, schliesslich erreicht die SVP sämtliche Haushalte im Land und kann so ihre Botschaft schon lange Zeit vor den Wahlen platzieren.

Wie hoch ist der Preis, den die SVP dafür bezahlt?

Lutz: Ich schätze, dass die Aktion um eine Million Franken kostet. Das kann sich ausser der SVP keine Partei in der Schweiz leisten.

Die SVP behauptet, sie wolle mit der Befragung den Puls der Bevölkerung in Ausländerfragen fühlen. Hat sie dafür wirklich das taugliche Instrument ausgewählt?

Lutz: Nein, das ist unsinnig. Wenn man wirklich wissen will, was die Bevölkerung denkt, macht man entweder eine Abstimmung zu einer konkreten Frage oder aber man setzt auf eine repräsentative Umfrage. Die SVP-Befragung ist untauglich, um den Puls der Bevölkerung zu fühlen.

Welches Ziel verfolgt die SVP in Wirklichkeit mit der Aktion?

Lutz: Es geht darum, der Bevölkerung mitzuteilen, was die Partei in Sachen Ausländerpolitik denkt. Und sie will eine Debatte in den Medien provozieren. Dadurch hat sie einen doppelten Effekt.

Inhaltlich ist es offensichtlich, dass die SVP die Ausländerfrage zum Wahlkampfthema Nummer 1 machen will. Kann sie damit tatsächlich punkten?

Lutz: Ja, die SVP setzt seit ihrer Wandlung Anfang der 1990er-Jahre auf ein einziges Thema. Es geht immer um die Abwehr von Fremdem, sei es nun in Sachen EU, UNO, kriminelle Ausländer oder Scheinasylanten. Die Parteistrategen wissen ganz genau, dass sie davon profitieren, wenn sie diese Themen in den Wahlkampf einbringen können. Ich denke, das ist mit ein Grund, warum die SVP beispielsweise auf ein Referendum gegen die neuen Doppelbesteuerungsabkommen verzichtet und beim Staatsvertrag mit den USA doch noch eingelenkt hat: Sie wollte solche Themen vom Tisch haben.

Also volle Konzentration aufs Kerngebiet?

Lutz: Das war zu erwarten, denn die SVP kann mit dem Thema Ausländer Wahlen gewinnen. Bei anderen Themen wie etwa dem Kampf gegen die Abzockerei oder dem Bankgeheimnis hat sie sich hingegen verheddert und eher für Verwirrung als für Klarheit gesorgt. Deshalb versucht sie mit aller Macht, ihr Kernthema auf die Agenda zu bringen.

Zurück zur Volksbefragung. Was für ein Ergebnis erwarten Sie?

Lutz: Das Ergebnis steht jetzt schon fest. Alles andere als eine hundertprozentige Bestätigung der Parteimeinung wäre eine grosse Überraschung – die SVP würde das wohl gar nicht kommunizieren.

Werden also nur SVP-Sympathisanten den Fragebogen ausfüllen?

Lutz: Grossmehrheitlich schon. Jene, die anderen Parteien nahe stehen, werden kaum mitmachen. Vielleicht wird die eine oder andere Gruppierung aus Opposition gegen die SVP dazu aufrufen, den Bogen auszufüllen. Doch eigentlich sind alle gut beraten, die Aktion zu ignorieren. Denn sie werden das Ergebnis nicht kippen können.

Es könnte also eher zum Bumerang werden, wenn beispielsweise linke Gruppen massenhaft die Bögen ausfüllen und so versuchen, das Resultat zu ihren Gunsten zu beeinflussen? Dank dem Internet wäre das ja problemlos möglich.

Lutz: Die Gruppen müssen sich das selbst überlegen. Doch für mich ist klar: Diese Umfrage hat keinerlei Wert, wenn es darum geht, die Meinung der Bevölkerung herauszufinden. Und deshalb macht es auch wenig Sinn für andere Parteien oder Gruppen, da mitzumachen und Gegensteuer zu geben. Die Befragung bleibt so oder so ein untaugliches Mittel.

Georg Lutz ist Politologe an der Universität Lausanne.

Quelle: Aargauer Zeitung

Letztes Update: 28.07.10, 21:17 Uhr

17 Kommentare zum Thema:
Anonymer User: Bach
07.08.10 04:18 Uhr
Ich glaube, wir werden eine grosse Überraschung mit der Umfrage erleben. Es könnte sein, dass mehr Antworten auf die Befragung eingehen werden, als den anderen Parteien lieb ist.
Würde man den Fragebogen linksorientiert umändern zu diesen Themen, wäre die Verblüffung noch viel grösser. Da würde man merken, wer am Volk vorbei regiert.
Daher rät Lutz, die Befragung zu ignorieren. Da die Themen aber fast allen unter den Nägeln brennen, ist guter Rat teuer.Ein Befragungskomitee muss her? Denkste!!!
Giftzahn
05.08.10 21:52 Uhr
@Klaus
Wenn Sie 30% der Stimmberechtigten gesunden Menschenverstand absprechen, so frage ich mich doch - wo ist der Ihre?
Anonymer User: Klaus
05.08.10 11:08 Uhr
Sicher ist, an der Umfrage machen mehr SVPler mit als Menschen mit gesundem Menschenvertsand.
Wenn ich also mitmache tue ich der SVP einen Gefallen und erhöhe die Teilnehmerzahl und falle in den kleinen Topf, die keine Probleme mit Ausländern sehen.
Also:
AUF KEINEN FALL MITMACHEN!!!!!!
Giftzahn
29.07.10 20:09 Uhr
Statt die anderen Parteien zu ermuntern, endlich die Ängste der Bevölkerung ernst zu nehmen und aktiv zu werden, versucht Lutz die klaren Positionen der SVP ins Lächerliche zu ziehen. Wie man an den Kommentaren sieht vergebens. Nur durch eine tiefblutrote Brille kann man seinen Antworten auf die suggestiven Fragen etwas abgewinnen. Doch wer Lutz und seine Auftritte, Veröffentlichungen und "Experten"-Kommentare kennt nimmt ihn schon lange nicht mehr ernst.
Anonymer User: Michel
29.07.10 19:11 Uhr
Was fällt auf? Sie alle schiessen auf die Person ohne sachliche Argumente. Naivität scheint zu (ver-)blenden.
Anonymer User: SVP-Wähler
29.07.10 18:43 Uhr
Grossartig- sowohl die Umfrage als auch die Reaktion der Linken Meinungsbesserwisser.
JackPfote
29.07.10 17:39 Uhr
Wieder so ein selbst ernannter Experte mehr. Nonsens, was dieser Herr behauptet. Seine freie Meinung kann man heute nur noch in einer unpersönlichen (anonymen) Umfrage kundtun. Die Zensur filtert heraus, was nicht genehm ist. Was nicht gehört werden will, wird nicht abgedruckt (auch bei der AZ). Wir leben in einer manipulierten Demokratie.
Anonymer User: Wozu
29.07.10 17:29 Uhr
Berater - können wir nicht selber denken utreilen und bestimmen.
Anonymer User: Ch. Keller
29.07.10 17:24 Uhr
Herr Lutz ist ein Wissenschaftler, der wie fast alle Dozenten an der Uni Lausanne politisch linksgrün eingestellt ist. Diese vom Staat (also auch von den SVPlern) bezahlten Wissenschaftler sind als Anti-SVP-Kämpfer bekannt: Professor Imhof, Lutz, Kreis, Longchamps, der rote Tanner, die Aufzählung wäre endlos. Die Medien und vor allem das rotgrüne SF-DRS benutzen diese als SVP-Gegner bekannten "Wissenschaftler" als "neutrale Beobachter" um Stimmung gegen die zu erfolgreiche SVP zu machen.
Snuge
29.07.10 17:01 Uhr
zustimmt oder nicht. Es geht nicht um "ob oder...." "wenn, dann...." oder ähnliches.
Und damit fühlt die SVP ganz klar den Puls der Bevölkerung. Mir ist allerdings schon klar, dass die Linke dies nicht nachvollziehen kann. Es ist zu einfach, klar und logisch. Keine verdrehten, komlizierten, unklaren Aeusserungen - nein, einfach und knapp, worum es geht. Dass die Linke schon lange keine Ahnung mehr hat, wo im Volk der Schuh drückt, ist bekannt. Aber darum drückt der Schuh trotzdem.....
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