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Das Aargauer Enfant terrible in Bern
Hobbyrennfahrer Philipp Müller drückt als eigenwilliger FDP-Nationalrat aufs Gaspedal. Der omnipräsente Aargauer eckt an, ist für die zurückhaltende Partei in Bern aber ein Gewinn.
Tobias Gafafer
Er trat schon immer gerne aufs Gaspedal. Nur kommt der passionierte Porsche-Rennfahrer heute selten dazu, in Hockenheim Runden zu drehen. Stattdessen widmet Philipp Müller seine Energie der Politik. Ob der Vollblutpolitiker komplexe Zusammenhänge auf den Punkt bringt oder eine Verbalattacke reitet - Müller spricht pausenlos und das in einer Sprache, die der einfache Mann versteht.
In der Villa des Unternehmers in Reinach klingelt fast jede Minute das Telefon. Seit der FDP-Nationalrat zum Bruch mit der UBS aufgerufen hat, wird er von Medienanfragen überschwemmt. Im Rennen um die Aufmerksamkeit bringt er sich mit knackigen Schlagzeilen in die Poleposition. Den Kauf der geklauten Bankdaten bezeichnet Müller als «Hehlerei» - ein Christoph Blocher setzt sich nicht anders in Szene.
Die «vox populi» des Freisinns
Es ist nicht das erste Mal, dass der eigenwillige Aargauer das Parteiestablishment provoziert. Kritiker aus den eigenen Reihen werfen ihm «billige Empörungsbewirtschaftung» vor. Im Vergleich zum betont nüchternen Führungsduo um Parteipräsident Fulvio Pelli und Fraktionschefin Gabi Huber spielt er sozusagen das Enfant terrible. Und ergänzt damit die kopflastige FDP.
«Es schadet uns nicht, Exponenten zu haben, die etwas farbig daherkommen», sagt der Bündner Nationalrat Tarzisius Caviezel, wie Müller vom Unternehmer-Flügel. Neben Otto Ineichen ist Müller einer der wenigen in der Fraktion, welche die Politik als Geschäft mit Emotionen betrachten. Er liebt die Auftritte an der Front und pilgert fast jede Woche für seinen «Bericht aus Bern» in ein Säli. SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer bezeichnet ihn gar als «vox populi des FDP-Elektorats».
Doch auch sachpolitisch steht Müller mit seiner Position, dass die Unterscheidung von Steuerbetrug und Steuerhinterziehung nicht länger haltbar sei, in der Fraktion in diesen Tagen nicht mehr isoliert da. In der Ausländerpolitik ist er dank Fachkompetenz gar zum Wortführer der FDP avanciert. So war er am Gegenvorschlag zur SVP-Ausschaffungsinitiative beteiligt, den die zuständige Kommission des Ständerats diese Woche durchgewinkt hat. «Wir machen eine mehrheitsfähige Politik», das sei der Unterschied zur SVP, sagt Müller - der einst die Zuwanderung mit einer fixen Quote beschränken wollte.
Anruf aus der Parteizentrale
Am wichtigsten ist es für den Aargauer, authentisch zu sein. Dann gebe es halt «so Dinger» wie «die Scheisse ist angerichtet», wie er in einem Interview sagte. Dann entsetzten sich manche ab der Fäkalsprache. «Ich brauche keine Imageberater.» Dass Müller trotzdem nicht zur «unguided missile», einer nicht zu lenkenden Rakete des Freisinns wird, liegt auch an Stefan Brupbacher. Am Telefon will der FDP-Generalsekretär vom Aargauer wissen, wem er Auskunft gegeben habe - und ob er Doris Fialas Seitenhieb erwidert habe. Müller verneint. «In jeder Partei gibt es Profilneurotiker», hatte die Zürcher FDP-Nationalrätin unlängst auf Tele Züri gesagt, als sie auf Müller angesprochen wurde. Das geht dem schlagfertigen Nationalrat zu weit. «Ich würde eine Parteikollegin nie persönlich angreifen. Das ist eine Frage des Stils.»
«Gekrampft wie ein Tubel»
Trotz seiner Kritik an der UBS beteuert Müller, dass er nichts gegen die Banken habe. «Eine meiner Töchter arbeitete einmal bei der UBS. Es war nicht ihre Welt.» Doch er betont, dass er nicht mit einem Bonus, sondern mit einem Malus begann. Wie ein roter Faden zieht sich der Satz «ich habe gekrampft wie ein Tubel» durch sein Leben. Als junger Erwachsener musste er «notfallmässig» das marode väterliche Gipsergeschäft übernehmen. Daraus machte er eine Generalbauunternehmung - und fährt heute stolz Mercedes. Das Geld für den Motorsport, die erste Leidenschaft, verdiente er sich als Instruktor einer «Rennwagenbude». 1986 wurde er gar Europameister im Tourenwagenfahren. «Ich hatte Talent, das ist so.» Seit 2007 fährt Müller wieder Rennen. Und wenn er in der Politik wieder Gas gegeben hat, hält der 57-Jährige manchmal einen Moment inne. Und sagt: «Die FDP ist meine Partei. Auch wenn es nicht immer einfach ist.»
Quelle: Aargauer Zeitung
Letztes Update: 09.02.10, 10:49 Uhr









deren Schützlinge in den Banken (Wuffli, Kaspar Villiger), Stichwort Gier und hirnrissige Boni, haben den einen Teil "der Scheisse" angerichtet. Die FDP (also Philipp Müllers Partei) hat mit den himmeltraurigen Gesetzen von Steuerbetrug und Steuerhinterziehung den andern Teil "der Scheisse" zu verantworten.