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Mel Gibson: «Kinderhaben ist wie Velofahren: Man verlernt es nicht»

Mel Gibson (54) zählt als Schauspieler, Regisseur und Produzent zu den Einflussreichsten in Hollywood. Zu seinen grössten Erfolgen zählen «Braveheart» und «The Passion of the Christ», aber auch «What Women Want». In den letzten Jahren machte Gibson mit Gewaltausbrüchen und Alkoholexzessen Schlagzeilen. 2009 liess sich seine Ehefrau und die Mutter seiner sieben älteren Kinder von ihm scheiden, mit der 39-jährigen Russin Oksana Grigorieva hat er eine kleine Tochter. (eve)
Mel Gibson (54) zählt als Schauspieler, Regisseur und Produzent zu den Einflussreichsten in Hollywood. Zu seinen grössten Erfolgen zählen «Braveheart» und «The Passion of the Christ», aber auch «What Women Want». In den letzten Jahren machte Gibson mit Gewaltausbrüchen und Alkoholexzessen Schlagzeilen. 2009 liess sich seine Ehefrau und die Mutter seiner sieben älteren Kinder von ihm scheiden, mit der 39-jährigen Russin Oksana Grigorieva hat er eine kleine Tochter. (eve)

Der Rächer ist zurück: Mel Gibson über sein Comeback als Schauspieler in «Edge of Darkness», über den Verlust von Kindern und wieso er sich nicht an seine Schweizer Filmpartnerin erinnern kann.

Marlène von Arx, Los Angeles

Als Schauspieler haben Sie nun acht Jahre pausiert. Was hat Ihnen der Karriereunterbruch gebracht?
Mel Gibson: Jede künstlerische Pause macht einen grossen Unterschied – man wählt schon die Projekte anders aus. Selbst mein alter Schauspiellehrer sagte, dass man sich ab und zu zurückziehen und etwas anderes machen sollte, wenn man nicht fad werden will. Ich kam mir langsam fad vor und so habe ich mich mit anderem – wie Regieführen – beschäftigt.

Und wieso nun mit «Edge of Darkness» das Comeback?
Gibson: Wieso nicht? Es ist eine gute, intelligente Geschichte. Ich mochte die BBC-Miniserie von 1985, auf der der Film basiert. Der Autor Bill Monahan hat sie schön modernisiert und der ursprüngliche Regisseur Martin Campbell restilisiert.

Die Bernerin Sol Romero, die Frau von Regisseur Martin Campbell, spielt eine kleine Rolle als Krankenschwester. Angeblich bekam sie mit ihrem Mann Ärger, weil Sie sie immer im falschen Moment zum Lachen brachten?
Gibson: Echt? Ich kann mich nicht erinnern. Welche Szene war das? Im Spital und sie nimmt mir die Temperatur oder so was? Ich versuchte einfach krank zu spielen. Ich registrierte gar nichts um mich herum.

Inwiefern spiegelt dieser Verschwörungs-Thriller Ihre Weltansicht?
Gibson: Misstrauen gegenüber der Wirtschaft und Politik ist sicher in vielen Hinterköpfen anzutreffen. Nicht nur in meinem. Es wird – gelinde ausgedrückt – geflunkert, damit in einen Krieg gezogen werden kann. Und wer Zeitung liest, weiss, dass in Finanzinstitutionen auf der ganzen Welt unartige Bengel arbeiten. Vielleicht hätten wir wachsamer sein sollen, aber auch jetzt, wo wir wachsam sind, serviert man uns die gleiche Suppe. Da muss man sich nicht wundern, wenn das Volk der Regierung nicht mehr vertraut. Denn reisst man ihr die Maske vom Gesicht, steckt dahinter sicher Goldman Sachs.

Im Film verlieren Sie Ihr einziges Kind. Als achtfacher Vater ist das sicher eine Horrorvorstellung für Sie...
Gibson: Ja, sicher. Man hat ja schliesslich Kinder, damit man irgendwo in Ruhe in die ewigen Jagdgründe eingehen kann, nachdem man etwas Erbkäse weitergeraspelt hat. Wenn das Kind vorher stirbt, geht der ganze Lebenssinn flöten. Sorry, ich bin etwas zappelig und finde die richtigen Worte nicht – ich habe vor einer Woche mit dem Rauchen aufgehört. Immerhin sind die ersten drei, vier Tage, wo aus mir durchaus ein Massenmörder hätte werden können, bereits vorüber.

Mord ist nicht darunter, aber Sie haben in den letzten Jahren für einige negative Schlagzeilen gesorgt, inklusive Polterei gegen eine Polizistin und eine Affäre, die Ihre 29-jährige Ehe beendete. Was haben Sie daraus gelernt?
Gibson: Was einen nicht umbringt, macht einen stärker. Wissen Sie, wovor die Leute am meisten Angst haben? Erniedrigt zu werden. Und jetzt multiplizieren Sie das in meinem Fall auf eine globale Dimension. Da musste ich durch und jetzt kann mir niemand mehr etwas anhaben.

Sie sagten in einem Interview, dass Sie auch Depressionen hatten, aber dann dafür besser Schach spielten...
Gibson: Ich hatte eine Phase, da konnte ich plötzlich acht Züge voraussehen, aber das war nur so ein Moment, dann ging das wieder weg. Sogar Arnold Schwarzenegger schlägt mich wieder! Aber er ist auch ein ziemlich guter Spieler. Das Leben ist eben das Leben. Manchmal tuts weh, manchmal machts Spass, man bringt Opfer, freut sich und ist unglücklich, man wird belohnt und enttäuscht. Dabei wollen wir ja alle nur glücklich sein. Das ist doch das natürlichste Bedürfnis der Welt. Aber wenn wir nur fünf Minuten zufriedene Ausgeglichenheit pro Tag haben, muss man sich schon glücklich schätzen.

Sie sind inzwischen bereits Opa und haben nun mit Ihrer neuen Freundin eine fünf Monate alte Tochter. Können Sie bei der Baby-Pflege noch mithalten?
Gibson: Ja, Kinderhaben ist wie Velofahren: Man verlernt es nicht. Es gibt kein schöneres Geschenk als das Geschenk eines jungen Lebens. Die kleine Lucia ist so süss. Ich kann es nicht besser ausdrücken. Ich hoffe, ich bin jetzt klüger als früher, aber ein stolzer Vater und Grossvater war ich immer.

Und wie involviert sind Sie bei Ihren anderen Kindern?
Gibson: Einmal im Jahr gibts sicher eine Situation, wo ich bei den Grösseren eingreifen muss. Nichts Illegales natürlich (rollt mit den Augen)! Zu Hause kann man wirklich Wohltätigkeit üben, manchmal ist sie gefragt, manchmal nicht und manchmal sind die Kids froh, dass man trotzdem da ist...

Was haben Sie beruflich noch vor?
Gibson: Ich habe einen Film unter der Regie von Jodie Foster, mit der ich schon jahrelang eng befreundet bin, abgedreht und mit Leonardo DiCaprio habe ich schon ein paar Meetings gehabt. Ich will mit ihm den ultimativen Wikinger-Film drehen, denn ich habe noch nie einen wirklich guten gesehen.

Und wie sehen Sie Ihre persönliche Zukunft?
Gibson: Ich kann nur im Moment leben. Ich versuche die Zukunft nicht zu sehr zu fürchten und die Vergangenheit nicht zu sehr zu bereuen – vielleicht ein bisschen daraus zu lernen –, und den Rest überlasse ich der Vorsehung.

Quelle: Aargauer Zeitung

Letztes Update: 13.03.10, 17:21 Uhr

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