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Willkommen in der Integration
Seit der Annahme der Anti-Minarett-Initiative ist sie in aller Munde: die Integration. Zu Besuch bei Kanal K, wo dieses Fremdwort schon längst keines mehr ist.
Michele Coviello
Ayse Azezler klemmt einen Kopfhörer übers Kopftuch. An gewöhlichen Tagen ist die Türkin Raumpflegerin in einem Kino. Heute ist aber Montag, ihr Radio-Tag. Um 19 Uhr geht sie für eine Stunde auf Kanal K auf Sendung. Auf Türkisch informiert sie ihre Landsleute über bevorstehende Schweizer Abstimmungen, berichtet darüber, was mit der AHV passiert, verbreitet, wo es gute Deutschkurse gibt.
Radyo ATA ist eine der über 30 fremdsprachigen Sendungen des freien Radios Kanal K in Aarau. Im Auftrag des Bundesamtes für Kommunikation (BAKOM) bietet es einen Sendeplatz für Sprachminderheiten, jeden Abend von 19 bis 21 Uhr unter dem Namen "Kompass".
In Basel, Bern, Genf, Schaffhausen, Winterthur und Zürich öffnen weitere sechs nicht-kommerzielle Radios ihre Mikrofone für Ausländerinnen und Ausländer. Jeden Monat rauschen rund 350 Sendungen in fremder Sprache durch den Äther und leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration, wie das BAKOM in einer Studie festgestellt hat.
Wo Schäfchen-Plakate versagen, gewinnen die Radios: Sie heissen die Ausländer willkommen, bieten ihnen eine Plattform, schenken Selbstwert. "Senden zu dürfen bedeutet, dass ich akzeptiert werde", sagt Sylvain Agnithey. Der Togolese war in seiner Heimat Journalist. Dank Kanal K hat der politische Flüchtling die einzige Chance, seinen ehemaligen Beruf weiterzuführen - unentgeltlich. Im Gegenteil: die Macher zahlen Jahresbeiträge und kaufen die CDs selbst.
Noch ist der Anteil an Deutsch in den Sendungen gering. Dieser soll laut Rolf Schöner, Programmleiter bei Kanal K, jedoch steigen. Damit schreiten die freien Radios vom multikulturellen zum interkulturellen Programm. "Es soll nicht nur Sendungen von Portugiesen für Portugiesen geben, sondern auch von Portugiesen für Schweizer oder von Portugiesen für Kroaten", sagt Rolf Schöner.
Agustin Sanchez setzt das für seine spanisch- und deutschsprachige Sendung "Amigos" um. "Die Spanier sind bereits gut integriert", sagt der Informatiker. Deshalb will er sein Herkunftsland den Nicht-Spaniern näher bringen. Das tut er mit Musik, Kochrezepten, Reisetipps und kleinen Sprachkursen während seines Programms. "Je besser uns die Nicht-Spanier kennen, desto besser verstehen sie unsere Denkweise und unser Handeln."
Hören Sie hier, wie die ausländischen Radio-Macher über die Ziele ihrer Programme sprechen.
Teil 1: Hier klicken!
Teil 2: Hier klicken!
Die ganze Reportage aus der Aargauer Zeitung können Sie als pdf herunterladen. Hier klicken!
Quelle: Aargauer Zeitung
Letztes Update: 12.01.10, 07:54 Uhr















